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Schweizer Armee beschafft neue Fahrzeuge
   
Text: Ruedi Baumann / www.swissmotor.com - Bilder: Mowag  


BPZ / Kreuzlingen / Am 17. Dezember hat die MOWAG GmbH - ein Unternehmen von General Dynamics European Land Systems – von der armasuisse den Auftrag für die Lieferung von 220 DURO IIIP 6x6 „Geschützte Mannschaftstransportfahrzeuge“ (GMTF) sowie 12 DURO IIIP „Nachweisfahrzeuge für die ABC-Abwehr“ erhalten. Zusätzlich wurde der weltweit in vielen Ausführungen erfolgreich im Einsatz stehende PIRANHA IIIC 8x8 als Basis für 12 zu beschaffende „ABC-Aufklärungsfahrzeuge“ ausgewählt. Die mit dem Schweizer Rüstungsprogramm 2008 bewilligten drei Projekte umfassen für die MOWAG ein Auftragsvolumen von rund CHF 260 Mio. (167 Mio. EUR).
Die Auslieferung der drei Fahrzeugtypen an die Schweizer Armee erfolgt im Zeitraum von 2010 bis 2012.




Die Schweizer-Armeeausführung des gepanzerten MOWAG-DURO IIIP Swiss GMTF.
Wie man sieht, ist er auch sehr wehrhaft.

GMTF schützt die Infanterie
Die Schweizer Armee benötigt ein Fahrzeug, das der Truppe sowohl bei nichtmilitärischer als auch bei militärischer Gewaltanwendung Schutz, Beweglichkeit sowie Führungsfähigkeit gewährleistet. Das GMTF ist ein sehr gut geschütztes, hochmobiles Radfahrzeug für den Transport von bis zu 11 Soldaten und basiert auf dem einsatzerprobten Mehrzweckfahrzeug DURO IIIP 6x6. Das GMTF ergänzt die bereits bei der Schweizer Armee im Einsatz stehenden PIRANHA II 8x8 Radschützenpanzer 93 und den BAE Hägglunds Schützenpanzer 2000.

Moderne Fahrzeuge für die ABC-Abwehr
Auch die 12 nun beschafften Nachweisfahrzeuge für die ABC-Abwehr basieren auf dem DURO IIIP. Sie ermöglichen die Identifikation von radioaktivem Material, biologischen und chemischen Kampfstoffen oder toxischen Industriechemikalien. Zusätzlich zu ihren Fähigkeiten bei militärischen Einsätzen können die neuen Fahrzeuge auch im Rahmen der Unterstützung ziviler Behörden – vor allem bei Katastrophenhilfe oder bei Antiterror-Einsätzen – eingesetzt werden. MOWAG wird der armasuisse die geschützten Trägerfahrzeuge liefern, während die labortechnischen Ausrüstungen durch Rheinmetall Landsysteme GmbH, Kassel integriert werden. Zusätzlich werden 12 neue PIRANHA IIIC 8x8 ABC-Aufklärungsfahrzeuge für die Echtzeit-Detektion von radioaktiven, biologischen oder chemischen Stoffen beschafft. Die Gesamtverantwortung für dieses Projekt trägt das Unternehmen Thales Suisse (SA) aus Zürich wobei MOWAG die zur Installation der ABC Ausrüstung vorbereiteten PIRANHA IIIC 8x8 Fahrzeuge liefert.




Das konnte schon der BUCHER-DURO. Nur ist es dem heissen Motor nicht immer bekommen. Der ist inzwischen von 165 auf 245 PS angewachsen.

Prophet im eigenen Land – diesmal doch erfolgreich
MOWAG hatte einen langen, zeitraubenden und von Misserfolgen gepflasterten Weg zu beschreiten, bis endlich der Durchbruch, beziehungsweise die Anerkennung ihrer Produkte bei der Schweizer Armee gelang. Genauer gesagt: Zunächst resultierte der Erfolg ausschliesslich im Ausland. Erst als extrem positive Kampferprobungen und daran anschliessende Grossbestellungen nach Übersee erfolgt waren, bequemte sich die Schweizer Rüstungsbehörde endlich dazu, die Produkte aus Kreuzlingen genauer unter die Lupe zu nehmen. Damals handelte es sich um den Radkampfpanzer Piranha, den es zunächst als 6x6, dann als 8x8 in einer amphibischen und nicht-amphibischen Ausführung gab. Beim vom amerikanischen HUMVEE abgeleiteten MOWAG-EAGLE ging es dann jedoch sehr rasch, denn die dringende Nachfrage nach wendigen, leichtgepanzerten Aufklärungsfahrzeugen erfolgte beinahe über Nacht. Die Geschichte des geländegängigen Mannschaftstransporters BUCHER-DURO verlief ähnlich, wobei hier die hohe schweizerische Wertschöpfung und einige wichtige, teilweise logistische Details zu eher politischen Entscheiden und unüblich raschen Grossbestellungen der Schweizer Armee führten. BUCHER jedoch gelang – im Gegensatz zum Kreuzlinger-Produkt - der Durchbruch in den internationalen Markt nicht (was aber in den Jahren seit der Übernahme durch MOWAG gründlich behoben wurde).

Das Problem mit dem Gewicht
Wenn man in der Entwicklungsgeschichte der militärischen Panzer bis in den ersten Weltkrieg zurückblättert, stösst man auf eine sich endlos wiederholende  Gemeinsamkeit, welche munter fortdauert. Das passiert so: Zunächst erhalten die Konstrukteure oder Wettbewerber ein Pflichtenheft vorgelegt, welches das zu konstruierende Fahrzeug strikt einzuhalten hat. In diesem Pflichtenheft war/ist die Stärke der Panzerung, Motorleistung, Einsatzradius, Einsatzweise, Wattiefe, Geländeeigenschaft und Fahrgeschwindigkeit vorgegeben. Die Bewaffnung stammte mehrheitlich vom Firmen, die speziell darauf ausgerichtet waren, also nicht zwangsläufig vom eigentlichen Fahrzeughersteller. So hat beispielsweise MOWAG noch nie seit ihrem Bestehen irgendwelche Waffensysteme entwickelt oder hergestellt. Weil indessen die Kampfmittel immer effektiver wurden, erfolgte postwendend der Ruf nach stärkerer Panzerung. Oftmals mitten im Produktionsablauf.




DURO IIIP „Nachweisfahrzeug“ mit Laboreinrichtungen und Schleuse zur Identifikation von radioaktivem Material, biologischen und chemischen Kampfstoffen oder toxischen Industriechemikalien.

Spezialwissen, das sich nun auszahlt
Was nun geschah, leuchtet jedem Heimbastler ein: Je mehr die Maschinen an Gewicht zulegten, umso unbeweglicher wurden sie. Beinahe parallel dazu erfolgte noch die Anordnung, stärkere und wirkungsvollere Bewaffnungen einzubauen, womit das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht wurde. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs existierten englische und deutsche Kampfpanzer, die wegen ihres hohen Gewichtes die meisten Brücken nicht überqueren durften und deren Höchstgeschwindigkeit bei knapp 6-10 km/h lag. Auch bei MOWAG wiederholt sich diese Geschichte, trotz neuartiger, beinahe leichtgewichtigen Panzermaterialien. Beim gepanzerten DURO IIIP 6x6 erkennt man den ursprünglichen BUCHER-DURO kaum noch und von der Verwendung von HUMVEE-Komponenten beim EAGLE IV ist man in Kreuzlingen aus genau diesen Gründen ebenfalls abgekommen. Das „Ass“ im Ärmel von MOWAG ist die inzwischen hochspezialisierte Kenntnis im Bau von gepanzerten Fahrzeugen, beziehungsweise das „Know-how“ bezüglich allfälliger Schwachstellen. Der inzwischen beinahe revolutionäre Bekanntheitsgrad der „Kreuzlinger-Panzer“ kommt nicht von ungefähr.

DURO IIIP 6x6 – eine bewährte Basis für das GMTF
Das Geschützte Mannschaftstransportfahrzeug GMTF gehört zur MOWAG DURO und EAGLE Familie von geschützten Radfahrzeugen in der Gewichtsklasse bis 13.5 Tonnen. Als GMTF ist der DURO IIIP 6x6 6.90 m lang, 2.16 m breit und 2.67 m hoch. Das für den Transport von 11 Soldaten – Kommandant, Fahrer, Schütze und 8 Infanteristen – konzipierte Fahrzeug verfügt über einen sehr hohen, modular aufgebauten Ballistik-, Minen- und IED-Schutz. Auf der Strasse erreicht das GMTF eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, bewältigt Steigungen bis 60% und Seitenneigungen bis 30%. Der 245 PS starke Cummins-Turbodieselmotor in Verbindung mit dem Allison-5-Stufen-Automatikgetriebe, das einzigartige De-Dion Achssystem mit patentiertem Wankstabilisator, die Rei-fendruckregelanlage sowie der permanente Allradantrieb verleihen dem GMTF höchste Mobilität sowohl on- als auch offroad. Für zusätzlichen Komfort und Schutz werden sämtliche Fahrzeuge mit einer Klimaanlage sowie einem ABC-Überdrucksystem ausgestattet.




Piranha IIIC, gepanzertes, hochgeländegängiges ABC-Aufklärungsfahrzeug der neusten Generation mit 400 PS.

PIRANHA IIIC 8x8 – eine universelle Plattform
Der PIRANHA IIIC 8x8 ist 7.57 m lang, 2.71 m breit und hat ein Gesamtgewicht von 22 Tonnen. Auf der Strasse ist das Fahrzeug bis zu 100 km/h schnell. Steigungen bis zu 60% und Watttiefen bis zu 1.5 m bewältigt der PIRANHA mühelos. Der 400 PS starke Motor in Verbindung mit dem 7-Gang Automatikgetriebe, die moderne Einzelradaufhängung, die Reifendruckregelanlage und der zuschaltbare Allradantrieb verleihen dem PIRANHA auch im schweren Gelände eine hohe Mobilität. Zudem ergeben der hohe Ballistik-, Minen- und IED-Schutz grösstmögliche Sicherheit für die Besatzung im Einsatz. Das Fahrzeug ist mit allen notwendigen Einrichtungen (ABC-Überdrucksystem, autonome Stromversorgung, Klimaanlage, etc.) versehen, die für einen 24-Stunden-Betrieb der integrierten Systeme erforderlich sind. Die MOWAG GmbH in Kreuzlingen entwickelt, konstruiert und produziert technologisch hochstehende Spezialfahrzeuge für den militärischen Gebrauch. Rund 13'500 gepanzerte und ungepanzerte Radfahrzeuge der Typen EAGLE , DURO und PIRANHA sind weltweit im Einsatz.

Seit Oktober 2003 gehört MOWAG als Unternehmen zur General Dynamics European Land Systems Gruppe und beschäftigt am Standort Kreuzlingen über 800 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (www.mowag.ch).




Damit kommen– ausser Fahren und Schiessen – wohl nur geschulte Berufsmilitärs plus Wissenschaftsteams klar. Man beachte die zahlreichen Zusatzapparaturen.
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Datum: 19.11.2018 | Zeit: 20:31 | Besucher: 2672967 | Online: 7 | Disclaimer | Copyright © 2001 - 2018 by ArnoldWeb. All rights reserved.